Kommunikation in der digitalen Erwachsenenbildung – gemeinsam oder doch einsam online lernen?

Lernen wird allgemein als sozialer Prozess verstanden. Das gilt auch für die digitale Erwachsenenbildung. Um die Beziehungen der einzelnen TeilnehmerInnen untereinander zu fördern wird deshalb immer wieder auf die Bedeutung von Gelegenheiten zum Austausch hingewiesen. Die technischen Möglichkeiten im Hinblick darauf sind vielfältig. Aber entsteht durch die Nutzung von Internetforen, Messaging Diensten und sozialen Netzwerken wirklich so etwas wie eine Lerngruppe, ein echtes Miteinander?

Das Fehlen nonverbaler Signale, aber auch die zeitliche Verzögerung zwischen Fragen und Antworten erschweren im Hinblick auf eine ausschließlich textbasierte Kommunikation einen effektiven Austausch. Bei der videobasierten Kommunikation vermittelt schon allein die Tatsache den anderen zu sehen ein Gefühl von Nähe. Das ist besser, aber reicht das?

Aus Befragungen von TeilnehmerInnen weiß man, dass sehr häufig ganz klar der Wunsch nach einer Präsenzveranstaltung geäußert wird. An diesem menschlichen Grundbedürfnis nach persönlichem Austausch mit anderen Lernenden und Lehrenden hat offenbar auch der während der Corona-Pandemie verstärkte Trend zum digitalen Lernen nichts geändert.

Die Digitalisierung von Erwachsenenbildung eröffnet neue Möglichkeiten, ist aber genauso oft nur (ungeliebte) Notlösung weil es gerade nicht anders geht! Die virtuelle Welt funktioniert momentan nicht zuletzt deshalb, weil man sich bereits aus dem realen Leben kennt.

Im Hinblick darauf ist die Erwartungshaltung der TeilnehmerInnen wichtig. Motiv für die Teilnahme an Veranstaltungen der Erwachsenenbildung ist eben nicht nur der Wunsch Informationen zu erhalten und Neues zu lernen, sondern es geht auch darum etwas Anderes als den üblichen Alltag zu erleben, vielfältige Erfahrungen zu machen und nicht zuletzt interessante Menschen kennenzulernen.

An diesen Bedürfnissen der Lernenden müssen sich die Angebote der Erwachsenenbildung orientieren wenn sie zukünftig erfolgreich sein wollen. Denn von der Erwachsenenbildung wird mehr erwartet werden als eine reine Online-Qualifizierung – sie muss als ein alternatives Freizeitangebot überzeugen und das setzt regelmäßig auch Präsenz voraus. Aus „entweder, oder“ wird deshalb ein „sowohl, als auch“ werden.

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