Was ist „digitales Lernen“?

Digitales Lernen – Definition

Digital leitet sich ab vom englischen Wort „digit“ was mit „Ziffer“ oder „Zahl“ übersetzt wird. Das bekannteste digitale System ist das Binärsystem, welches nur aus den Zahlen 0 und 1 besteht. Die Computertechnik, die Basis für digitale Geräte und Medien beruht auf diesem Binärsystem. 

Bei der Digitalisierung von Erwachsenenbildung geht es entsprechend um die Veränderungen der Lehr-/Lernprozesse durch die verstärkte Nutzung digitaler Geräte (Smartphone, Tablet, Notebook, interaktives Whiteboard) und Medien (E-Book, Podcast, Video, Computerspiel, App). Digitales Lernen bedeutet also nichts anderes als Lernen mit Hilfe von digitalen Geräten und online verfügbaren Medien.

Digitales Lernen – Was sind die Vorteile?
Vorteile digitaler Lehr-/Lernangebote (Grafik erstellt auf canva.com)
  • Lehrende und Lernende müssen sich nicht an einem Ort befinden.
  • Oft (Ausnahme: Webmeetings und Webinare) ist es möglich zeitlich unabhängig voneinander zu agieren.
  • Die verfügbaren Medien und Methoden sind abwechslungsreich und bieten vielfältigste Kombinationsmöglichkeiten.
  • Die individuellen Lernvoraussetzungen (Wissensstand, Lerntempo, bevorzugte Lehr-/Lernmethoden) können besser berücksichtigt werden.
  • Die Lerninhalte sind aktueller, weil sie zeitnah angepasst werden können.
  • Selbstdisziplin, Selbstlern- und digitale Kompetenzen werden gefördert.
Digitales Lernen – Stand der Dinge

„Digitales Lernen“ ist ein während der Coronavirus-Pandemie im Frühjahr 2020 oft genutztes Schlagwort. Das vorhandene Spektrum an digitalen Lehr-/Lernangeboten gleicht momentan allerdings eher einem chaotischen Flickenteppich.

Für Lehrende bedeutet die Erstellung digitaler Lernangebote den Sprung ins kalte Wasser (lizenzfreies Foto von pixabay.com).

Zwar scheitert es nur noch selten grundsätzlich an den technischen Voraussetzungen, aber häufig fehlt den Lehrenden das entsprechende Knowhow und eigentlich immer mangelt es an pädagogischen (methodisch-didaktischen) Konzepten. Auch finanzielle und rechtliche Aspekte (Stichworte: Datenschutz, Urheberrecht) sind weitgehend ungeklärt.

Die Erwartungshaltung ist hingegen klar – Lehrende können, sollen, müssen mal eben so in Windeseile aus einer Präsenzveranstaltung einen Online-Kurs machen.

Denn für Lernende gehört das „digitale Lernen“ schon längst zu ihrem Alltag – pragmatisch wählen sie aus den vielfältigen Angeboten aus, was sie interessiert und was ihnen nutzt. Aber können sie die Qualitätsunterschiede zwischen technischen Spielereien mit Spaßfaktor und hochwertigen Bildungsangeboten erkennen?

Digitales Lernen – Medien und Methoden

Veranstaltungsformen für digitales Lernen: Online-Kurs, Webinar, Mooc, Videokonferenz (Webmeeting)

Digitale Lernplattform (Lern-Management-System)

Digitale Lernmaterialien: Text, PDF-Datei, E-Book, Grafik, Foto, Serie von Medienbeiträgen (Podcast), Erklärfilm, Video, Computerspiel, Lernanwendung (Learning-App) 

Digitale Lehr-/Lernmethoden: Umfragen durchführen, gemeinsame Textbearbeitung, Beiträge für eine Pinnwand (Memoboard) erstellen, Lernanwendungen, Auswahlfragebogen (Multiple Choice-Test)

Digitaler Austausch (Interaktion) zwischen Lehrenden und Lernenden: SMS, E-Mail, Kommentarfunktion von Webseiten und Weblogs, Internetforum, Internetchat oder Messaging-Dienst, soziale Netzwerke, Videokonferenz, Webinar, virtueller Seminarraum

Digitales Lernen – Werkzeuge (Online-Tools)

Ein Nachteil digitalen Lehrens und Lernens ist die Notwendigkeit zusätzlicher Software, die meist eine Registrierung erfordert und nicht immer intuitiv bedient werden kann, d.h. auch der Umgang damit muss erst erlernt werden. Einige deutschsprachige Beispiele:

Lernmaterialien erstellen: Arbeitsblätter (tutory.de), Grafiken (canva.com)

Lehr-/Lernmethoden: Umfrage (findmind.ch), Textbearbeitung (edupad.ch), Pinnwand (de.padlet.com, 3 Padlets sind kostenlos), lizenzfreie Fotos und Grafiken gibt es auf pixabay.com, Lernanwendung (learningapps.org), Aufgabenmangement (trello.com)

Austausch über Lerninhalte: Gruppenchat z.B. threema.ch/de (datenschutzkonforme Alternative zu WhatsApp, Kosten: einmalig 1,99 EUR), Videokonferenz z.B. skype.com (bis zu 10 Teilnehmer kostenlos)

Lernmanagementsystem: moodle.de (keine Webinar-Funktion!)

Nachteilig ist auch, dass viele Webangebote nur in englischer Sprache verfügbar sind und das Verständnis englischsprachiger Nutzungs- und Datenschutzbedingungen nicht vorausgesetzt werden kann.

Digitales Lernen – didaktische Überlegungen

Wie plant man einen Online-Kurs? Welche Aspekte bzgl. der Planung von Präsenzveranstaltungen sind darauf übertragbar? Was ist anders?

Einige Ideen:

  • Modalitäten (Termin, Dauer, Zugangsvoraussetzungen, notwendige Technik, Datenschutz, Urheberrecht, Kosten) klären
  • Überblick über den Seminarablauf geben (Stichwort: virtueller Advanced Organizer)
  • Lernstoff in mehrere, kürzere Lerneinheiten aufteilen
  • Unterschiedliche Methoden einsetzen (aber nur wenige deutschsprachige und leicht bedienbare Tools)
  • Möglichkeiten zum Austausch/gemeinsamen Arbeiten schaffen
Digitales Lernen – Weiterbildung
Linksammlung zur Digitalisierung der Erwachsenenbildung (angelegt auf padlet.com)

Beispiel für ein Webinar

Um digitale Lernumgebungen (Alternativen zu Moodle) in der Erwachsenenbildung ging es im DigiTalk- Webinar am 15. November 2019. Die Aufzeichnung kann man sich bei youtube.com ansehen.

Beispiel für einen Mooc

Vom 06. März bis 17. April 2017 lief der EBmooc- Digitale Werkzeuge für ErwachsenenbildnerInnen auf imoox.at (österreichische MOOC-Plattform der Karl-Franzens-Universität Graz und der Technischen Universität Graz). Wer mag, kann ihn noch nacharbeiten.